Seit 2017 plant der Stadtrat eine Instandsetzung des Geschäftshauses Corso beim Bellevue. Im Oktober 2023 erhöhte er den dafür nötigen Projektierungskredit auf 6 Millionen Franken. Stets wurde kommuniziert, dass das Haus weiterhin als Kino-Komplex genutzt werden soll. Letzte Woche dann der dramatische Kurswechsel: Die Kinos sollen raus aus dem Corso, welches stattdessen zu einem völlig wolkigen «Eventhaus» umgebaut werden soll. Diesen dramatischen Eingriff in eine Kulturstätte, welche nationale und internationale Ausstrahlung hat, wollte der Stadtrat als «gebundene Ausgabe» an Gemeinderat und Bevölkerung vorbei und somit ohne demokratische Mitsprache beschliessen.
Die FDP Stadt Zürich beurteilt dieses Vorgehen des Stadtrats als kulturpolitischen Offenbarungseid und hält es für widerrechtlich.
Gemeinderätin Yasmine Bourgeois und Gemeinderat Flurin Capaul haben deshalb fristgerecht Stimmrechtsrekurs beim Bezirksrat eingereicht. Sie verlangen, dass ein Entscheid dieser Tragweite im Stadtzürcher Parlament beraten wird. «Nur der Bezirksrat kann dem undemokratischen Treiben des Stadtrats ein Ende setzen», so Capaul.
Ohne politische Debatte und ohne Not wird das einzige Kino mit internationaler Ausstrahlung geschlossen. Die Stadt Zürich hat die Liegenschaft 1948 als Kino erworben und seither entsprechend genutzt. Der Plan des Stadtrats sei ein Fehlentscheid sagt Gemeinderätin Yasmine Bourgeois: «Serbelnde Kinos will der Stadtrat mit Dauer-Subventionen retten, einen gut laufende Kinobetrieb verdrängt er dagegen ohne mit der Wimper zu zucken.»
Auch kulturpolitisch ist der Entscheid falsch: Das Corso ist ein Kino mit Ausstrahlung weit über Zürich hinaus. Parteipräsident Përparim Avdili sagt: «Ein gut laufendes Kino wird verdrängt - das ist das falsche Signal für die Film- und Kinostadt Zürich.» Stadtpräsidentin Corine Mauch hinterlasse der Filmwirtschaft und dem Kulturplatz Zürich kurz vor ihrem Abgang einen Scherbenhaufen.